Geprüft/aktualisiert: · Quellen (4) · redaktionell recherchiert, keine Produkttests
Dialing in heißt, Mahlgrad, Dosis und Ausbeute in kleinen Schritten einzustellen, bis Bezugszeit und Geschmack passen. Starten Sie mit gewogener Dosis und dem Zeitfenster von ca. 25 bis 30 Sekunden als Ausgangspunkt, ändern Sie je Versuch genau eine Größe und notieren Sie jeden Bezug. Das Ergebnis ist Ihr Rezept für genau diese Bohne, Mühle und Maschine.
Was Dialing in ist und was nicht
Jede Bohne verhält sich anders, jede Mühle mahlt anders, jede Maschine bringt eigene Bedingungen mit. Deshalb gibt es keine Einstellung, die überall passt. Dialing in bedeutet, diese Einstellung für Ihre Kombination zu finden. Ein Fachmedium beschreibt den Kern in einem Satz: Immer nur einen Parameter auf einmal ändern. Daraus folgt der Rest dieser Seite. Mit den Parametern sind Mahlgrad, Dosis, Ausbeute und die resultierende Bezugszeit gemeint. Der Geschmack ist dabei die Bewertung, die Sie darüber legen.
Dialing in ist kein Rezeptsuchen im Sinne eines „perfekten“ Espressos. Das Ziel ist ein Bezug, der Ihnen schmeckt und der sich wiederholen lässt. Ein Zeitfenster und die Notizen sind die Werkzeuge dafür, keine Vorgaben, die man erfüllen muss. Wenn Sie mit einem Bezug außerhalb des Fensters glücklich sind, ist er richtig.
- Zu schnell: Der Bezug rauscht durch: meist zu grob gemahlen, zu wenig Kaffee oder ungleich getampt.
- Im Fenster (diese Seite): Der Bezug läuft gleichmäßig: Ausgangspunkt, um den Geschmack in kleinen Schritten einzustellen.
- Zu langsam: Der Bezug tropft nur: meist zu fein gemahlen, zu viel Kaffee oder Sieb verstopft.
Qualitative Einordnung ohne Sekundenangabe; welches Zeitfenster zu Ihrer Maschine passt, steht im Handbuch und ergibt sich beim Einstellen.
Die vier Größen, mit denen Sie arbeiten
Mahlgrad: Wie fein die Mühle mahlt. Feiner heißt mehr Widerstand, langsamerer Bezug und mehr Extraktion; gröber heißt weniger Widerstand, schnellerer Bezug und weniger Extraktion. Das ist die kräftigste Größe und die, die Sie als Erste anfassen.
Dosis: Das Gewicht des Kaffeemehls im Sieb. Die Menge, die zu Ihrem Sieb passt, steht im Handbuch Ihrer Maschine; eine allgemeine Grammzahl nennen wir nicht, weil die untersuchten Quellen nicht übereinstimmen. Entscheidend: Wiegen und festhalten, nicht schätzen.
Ausbeute: Das Gewicht des Espressos im Becher. Sie bestimmt, wie viel Wasser durch die Dosis gegangen ist. Das Fachmedium rät bei Unterextraktion zu mehr Ausbeute oder feinerem Mahlgrad, bei Überextraktion zu weniger Ausbeute oder gröberem Mahlgrad. Ein Verhältnis als Zahlenpaar geben wir nicht an, weil es bisher nicht durch zwei unabhängige Quellen gedeckt ist.
Zeit: Die Dauer des Bezugs vom Start bis zum Ende. Ein Hersteller nennt für die korrekte Extraktion ca. 25 bis 30 Sekunden, ein Fachmedium berichtet von Café-Zeiten zwischen 22 und 40 Sekunden, häufig 25 bis 32. Beides ist ein Ausgangspunkt und kein Gesetz. Die Zeit ist das Ergebnis der anderen drei Größen, keine Stellschraube, die man direkt dreht.
Eine fünfte Größe läuft im Hintergrund mit: die Vorbereitung im Sieb. Verteilen und Tampen verändern den Widerstand genauso wie der Mahlgrad. Sie bleibt deshalb konstant, bis Sie sie bewusst ändern, wie es die Anleitung zum Tampen beschreibt.
Der Ablauf in sieben Schritten
Die folgende Anleitung ist ein Verfahren zur Einstellung, keine Gebrauchsanweisung Ihrer Maschine. Beschreibt das Handbuch Ihres Geräts eine eigene Einstellreihenfolge oder eigene Mahlgradempfehlungen für ein eingebautes Mahlwerk, geht das Handbuch vor. Startwerte der Mühle anderer Modelle nennen wir nicht.
-
Maschine und Zubehör bereitmachen
Maschine bis zur Betriebsbereitschaft aufheizen lassen, Sieb und Siebträger sauber und trocken bereitlegen, Waage mit Timer aufstellen, Notizzettel daneben legen.
Warum · Wer mittendrin sucht, ändert unbemerkt Bedingungen und kann den Versuch nicht mehr vergleichen.
-
Ausgangspunkt festlegen und aufschreiben
Tragen Sie ein: Bohne, Röstdatum falls bekannt, Mahlgrad-Einstellung der Mühle, Dosis laut Handbuch gewogen, Zielmenge im Becher (Ausbeute) und das Zeitfenster. Als Zeit gilt der Ausgangspunkt von ca. 25 bis 30 Sekunden.
Warum · Ohne notierte Startwerte ist jede spätere Änderung nicht mehr zu deuten. Der Zeitbereich stützt sich auf ein Herstellerhandbuch und ein Fachmedium, er ist kein Gesetz.
-
Dosieren, verteilen, tampen wie immer
Wiegen Sie die Dosis, verteilen Sie das Mehl, tampen Sie eben und setzen Sie den Siebträger ein. Führen Sie die Schritte jedes Mal auf dieselbe Weise aus.
Warum · Vorbereitung ist die Konstante, an der sich der Mahlgrad als Variable messen lässt.
-
Bezug starten, Zeit und Ausbeute messen
Starten Sie Bezug und Timer gemeinsam, beenden Sie den Bezug, wenn die Zielmenge im Becher ist, und lesen Sie die Zeit ab.
Warum · Zeit und Menge sind messbar. Der Geschmack ist Eindruck. Erst beides zusammen ergibt eine Aussage.
-
Schmecken und in einem Wort festhalten
Probieren Sie den Espresso und schreiben Sie einen Eindruck auf: sauer, bitter, dünn, schwer, rund. Mehr braucht es nicht.
Warum · Ein kurzes Wort ist vergleichbar. Lange Beschreibungen sind es nicht.
-
Genau eine Größe ändern
Entscheiden Sie anhand der Tabelle unten, was Sie ändern: zuerst den Mahlgrad um eine Stufe, danach die Ausbeute. Ändern Sie nie beides auf einmal.
Warum · Ein Fachmedium formuliert die Regel knapp: Immer nur einen Parameter auf einmal ändern.
-
Wiederholen, bis Zeit und Geschmack passen
Beziehen Sie erneut, notieren Sie wieder, vergleichen Sie mit der Zeile davor. Hören Sie auf, wenn Ihnen der Espresso schmeckt, und halten Sie die letzten Werte als Ihr Rezept fest.
Warum · Das Rezept gilt nur für diese Bohne, diese Mühle und diese Maschine; bei einem Wechsel beginnt die Suche neu.
Der Notizzettel
Die Vorlage hat die Spalten, die für Dialing in nötig sind. Nummer, Mahlgrad-Einstellung, Dosis, Ausbeute, Bezugszeit, Eindruck in einem Wort und die nächste geplante Änderung. Drucken Sie sie aus oder übertragen Sie die Spalten in eine Tabelle auf dem Handy. Zeile für Zeile entsteht so eine Geschichte, an der Sie ablesen, ob Ihre Änderungen in die richtige Richtung wirken. Tragen Sie die Bohne und das Röstdatum oben als Kopf ein, damit der Zettel bei einem Bohnenwechsel nicht zwei verschiedene Kaffees vermischt.
| Versuch | Mahlgrad | Dosis (g) | Ausbeute (g) | Bezugszeit | Eindruck | Nächste Änderung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | leer | leer | leer | leer | leer | leer |
| 2 | leer | leer | leer | leer | leer | leer |
| 3 | leer | leer | leer | leer | leer | leer |
| 4 | leer | leer | leer | leer | leer | leer |
| 5 | leer | leer | leer | leer | leer | leer |
| 6 | leer | leer | leer | leer | leer | leer |
| 7 | leer | leer | leer | leer | leer | leer |
| 8 | leer | leer | leer | leer | leer | leer |
Pro Versuch nur eine Größe ändern. Zum Ausdrucken: Druckfunktion des Browsers; Kopf- und Fußbereich werden ausgeblendet.
Was Sie nach einem Bezug ändern
Die Tabelle fasst zusammen, wie Sie aus Zeit und Geschmack die nächste Änderung ableiten. Die Zuordnung ist eine Tendenz aus Herstellerdarstellung und Fachmedium. Weil auch Röstgrad, Frische und Wasser mitwirken, lesen Sie sie als Hinweis und nicht als Beweis.
| Zeit | Eindruck | Nächste Änderung (nur eine) |
|---|---|---|
| deutlich kürzer als das Fenster | sauer, dünn | Mühle eine Stufe feiner |
| deutlich länger als das Fenster | bitter, herb | Mühle eine Stufe gröber |
| im Fenster | noch sauer | Ausbeute etwas erhöhen |
| im Fenster | noch bitter | Ausbeute etwas senken |
| im Fenster | gefällt Ihnen | nichts ändern, Rezept notieren |
| springt von Bezug zu Bezug | wechselhaft | Vorbereitung vereinheitlichen, dann weiter |
Typische Fehler beim Einstellen
Der häufigste Fehler ist die zweite Änderung. Wer nach einem schlechten Bezug Mahlgrad und Dosis gemeinsam ändert, hat zwei Unbekannte und kann keine von beiden auswerten. Der zweite Fehler ist die fehlende Notiz: Nach drei Versuchen weiß niemand mehr, wo die Reise begann. Der dritte ist das Ignorieren der Reste in der Mühle. Nach einem Wechsel des Mahlgrads steckt noch altes Mehl im Mahlwerk, das den ersten Bezug beeinflusst; lassen Sie die Mühle kurz laufen, bis das gröbere oder feinere Mahlgut ausgeworfen ist. Der vierte Fehler ist die Verwechslung der Richtung. Schneller Bezug heißt feiner, langsamer Bezug heißt gröber. Wer das auswendig lernen will: Mehr Widerstand verlangsamt den Bezug.
Ein fünfter Fehler ist der Vergleich mit fremden Rezepten. Fremde Zahlen entstanden mit anderer Mühle, anderer Bohne und anderer Maschine; sie passen allenfalls zufällig. Das gilt auch für Zeiten: Die Orientierungswerte hier sind ein Ausgangspunkt. Wenn Ihr Handbuch ein Fenster nennt, hat dieses Vorrang.
Wann die Mühle den Fortschritt bremst
Manchmal liegt die Grenze nicht bei Ihnen, sondern bei der Mühle. Hinweise: Der feinste Punkt der Mühle ist noch zu grob für das Ziel. Zwischen zwei Stufen liegt ein Sprung, der zu groß ist, und das gesuchte Ergebnis liegt dazwischen. Dieselbe Einstellung liefert an verschiedenen Tagen unterschiedliche Bezüge. Ein Hersteller stufenloser Mühlen weist darauf hin, dass der gesuchte Wert zwischen zwei Stufen einer gestuften Mühle liegen kann und dass bereits eine kleine Verstellung die Bezugszeit um mehrere Sekunden verändern kann. Gestufte Mühlen sind dafür besser wiederholbar. Beides hat Vor- und Nachteile; die Abwägung beschreibt die Seite stufenlos oder gestuft. Welche Rolle die Mühle im Verhältnis zur Maschine spielt, behandelt Mühle oder Maschine, die Eigenschaften nennt der Hub Espresso-Mühlen.
Wenn ein Problem dazwischenkommt
Dialing in setzt voraus, dass Maschine und Vorbereitung normal arbeiten. Zeigt sich unterwegs ein klares Fehlerbild, wechseln Sie zur passenden Seite: Läuft der Bezug trotz feiner Einstellung durch, hilft Espresso läuft zu schnell. Tropft er nur, lesen Sie Espresso läuft zu langsam. Schmeckt der Espresso trotz passender Zeit sauer oder bitter, ordnet Espresso sauer oder bitter die Ursachen ein. Kommt gar kein Wasser, ist die Seite kein Druck, kein Wasser die richtige Stelle.
Wann Service nötig ist
Beim Einstellen ist die Maschine das Werkzeug, nicht der Gegenstand der Arbeit. Auffälligkeiten an der Maschine selbst, etwa Wasser, das nicht ankommt, Geräusche über das gewohnte Maß, Feuchtigkeit am Gerät oder Meldungen im Display, sind keine Einstellfragen. Dann Netzstecker ziehen und den Hersteller oder Kundendienst kontaktieren. Öffnen Sie die Maschine nicht selbst.
Häufige Fragen
Was bedeutet Dialing in?
Das schrittweise Einstellen von Mahlgrad, Dosis und Ausbeute, bis Bezugszeit und Geschmack zu Ihrer Bohne und Maschine passen. Der Begriff steht auch im Glossar.
Gibt es ein Rezept, das für alle gilt?
Nein. Fachmedien geben Orientierungswerte; einzelne Zahlenverhältnisse kursieren in Foren, sind aber nicht durch zwei unabhängige Quellen belegt und widersprechen sich zum Teil. Deshalb nennen wir hier nur die Zeit als Ausgangspunkt.
Wie viele Versuche braucht das Einstellen?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Es hängt davon ab, wie weit der Startpunkt vom Ziel entfernt ist und wie fein Ihre Mühle einstellbar ist. Rechnen Sie bei einer neuen Bohne mit mehreren Bezügen.
Muss ich nach jeder Änderung neu mahlen?
Ja, und zwar nach der Umstellung erst die Reste im Mahlwerk loswerden. Das alte Mehl in der Mühle stammt noch aus der vorherigen Einstellung und verfälscht den ersten Bezug danach.
Sauer oder bitter: welche Richtung?
Sauer und schnell: feiner oder mehr Ausbeute. Bitter und langsam: gröber oder weniger Ausbeute. Das ist die Tendenz der geprüften Quellen, kein Gesetz. Ausführlich: Espresso sauer oder bitter.
Wann ist die Mühle das Problem?
Wenn die Einstellung nicht fein genug möglich ist, zwischen zwei Stufen ein zu großer Sprung liegt oder derselbe Wert unterschiedliche Bezüge liefert. Mehr dazu unten und unter Mühle oder Maschine.
Brauche ich den Notizzettel wirklich?
Nein, aber er erspart Ihnen das Raten. Auch eine Tabelle auf Papier oder im Handy tut denselben Dienst. Wichtig ist nur, dass Sie jeden Versuch festhalten.
Allgemeine Hinweise ersetzen keine Bedienungsanleitung und keine Fachberatung. Die Angaben des Herstellers Ihrer Siebträgermaschine gehen vor; Eingriffe in Elektrik und Druckteile gehören in die Hände des Services. Arbeiten an der Maschine führen Sie auf eigene Verantwortung durch.
Quellen und Stand
Geprüft/aktualisiert: 20.10.2026· Quellen (4)· redaktionell recherchiert, keine Produkttests
- A Guide To Dialling In Espresso (14.07.2020, aktualisiert 06/2024) – Perfect Daily Grind (abgerufen 20.10.2026)
- Bedienungsanleitung einer Siebträgermaschine mit Mahlwerk (EU-Fassung, Teil Deutsch) – Sage Appliances (abgerufen 20.10.2026)
- Stepped vs. stepless grinders – Baratza (Hersteller-Blog) (abgerufen 20.10.2026)
- Anpressdruck beim Tampen (19.08.2025) – Kaffeemacher (abgerufen 20.10.2026)